Oktober 2009 Archive

Why, it was Sir Arthur's Birthday!

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sDSC_0318.jpegBesser spät als nie: Sir Arthur Guinness wurde 250 Jahre alt, und wir waren in unserem neuen Lieblingspub in Ludwigsburg dabei. 250 Jahre Guinness -- das mußte einfach gefeiert werden!

Der Feiertag begann indes nicht erst gegen Abend, sondern schon am frühen Nachmittag. Der Pubbesitzer hatte uns geraten, möglichst früh zu kommen, um sicherzustellen, daß man auch Sitzplätze im Inneren hat. Schließlich war Arthurs Geburtstag nicht nur ein internationales Ereignis, sondern schon im Vorfeld stark beworben. Und davon abgesehen sollte es Live-Musik geben. Wie sich schnell herausstellte, war der Rat angemessen: Genügend Leute hatten im Pub angerufen, um einen Sitzplatz zu reservieren! Tja, vielleicht kann mich da jemand aufklären, aber ich glaube, daß man wohl im Restaurant, mitnichten aber in einer Bar Tische vom Personal freihalten lassen kann. Aber nun gut, jeder kann das handhaben, wie er es für richtig erachtet, und im Towers Pub fand man Reservierungen angemessen.

Wie kann man nun eine lange Geburtstagsfeier beschreiben, bei der man auf das Wohl eines längst verstorbenen Mannes anstößt, dessen unglaublich wohlschmeckende Erfindung man nur ehren kann? Es reicht definitiv nicht, das Interieur des Lokals zu beschreiben; das haben wir außerdem schon getan. Unnötig auch zu erwähnen, daß die ausgelassen feiernde Menge -- wir mit eingeschlossen -- keine Gelegenheit ausließ, um die Pint-Gläser zum Toast auf den Braumeister zu heben. Daß der Pint für eine Zeit nur die Hälfte kostete, ließ auch den Geldbeutel erleichtert mitfeiern. Ich schätze, ich hatte einfach noch nie so sehr viel Spaß auf dem Geburtstag eines toten Mannes. Und ich werde wohl niemals das intakte Guinness-Glas, das rein hypothetisch vom Tisch fiel, vergessen. (Liebe Leser, entschuldigt an dieser Stelle den Insider-Witz!)

Die Musik steuerte eine Band namens «Logical Mind» bei -- und ich fürchte, hier hat sich das Towers-Team das einzige mal vergriffen. Die Gruppe kann wahrscheinlich nichts für die schlechte Tradition, die Lautsprecher derart aufzudrehen, daß man auch noch draußen vor dem Pub gut hört, was sie spielen. Ich würde mich nur ganz gern auch ohne schreien zu müssen noch verständigen können. Aber wofür sie definitiv was können, das ist die geringe Menge an irischer Musik. An Arts Geburtstag hatte ich mich auf einen starken irischen Einschlag gefreut, aber stattdessen mußten wir auch "Country Roads" und "Hotel California" über uns "ergehen" lassen. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen diese Lieder. Aber in einem Irish Pub an Arthur Guinness' Geburtstag sind sie einfach ein wenig... deplaziert. Salopp gesagt: Die Menge sollte vielleicht besser «There's whisky in the jar!» denn «Knock-knock-knockin' on heaven's door» gröhlen.

Trotzdem war es eine gelungene Feier: Wie sonst soll man auch einen ordentlichen Pub-Besuch zu Ehren von Arthur Guinness auch nennen? Das Towers Pub ist so oder so einen Besuch wert -- und um das zu bekräftigen, kann dieser Eintrag mit Ambiente-Bildern aufwarten.

Slaínte!

Über die "Un-Chillfiltered Collection" von Whiskys von Signatory, einem der größten, schottischen, unabhängigen Whisky-Abfüller (über diese drei Adjektive sind sie natürlich besonders stolz!) bin ich zum ersten Mal in Schottland selbst, genauer vor Ort in der Edradour Distillery -- die übrigens Signatory gehört -- gestolpert. Alle Produkte dieser Reihe sind nicht kältegefiltert, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Whiskys, die man mit «normalem» Etikett im Handel erstehen kann. A props Etikett: Signatory informiert auf der Flasche den Käufer stolz über die genaue Herkunft des Getränks. Mein Whisky wurde beispielsweise am 1.12.1997 destilliert, am 19.08.2009 abgefüllt, ist in einem Weinfass gereift und präsentiert sich mir in Flasche Nummer 292 von insgesamt 1127.

Bei der Kältefilterung von Whisky handelt es sich um eine Unart, die vor allem Amerikanern, die ja jedes Getränk durch die Zugabe von Eiswürfeln versch... bessern müssen, erlaubt, ihren Whisky zu genießen, ohne, daß dieser trüb wird. Durch Verdünnung von Whisky auf eine Trinkstärke von 40% bis 43% trübt sich die Flüssigkeit ein. Das verschlechtert keineswegs den Geschmack, ist aber unschön anzusehen. Während durch die Kältefilterung einige Schwebestoffe ausgesondert werden, geht auch einiges des Geschmacks verloren. Bisweilen so viel, daß man Schwierigkeiten bekommt, einzelne Sorten voneinander zu unterscheiden.

Eine sehr gute Art, den Geschmack eines Whiskys zu erfassen, besteht also definitiv darin, ihn unfiltriert zu erstehen. Und da tut sich Signatory hervor; so ziemliche jede Destille ist zumindest mit einer Sorte vertreten. Bei meinem letzten Besuch in Schottland (ja, weitere Einträge dazu folgen!) hatte ich das Glück, einen Bunnahabhain zu erstehen, der immerhin schon elf Jahre im Faß gereift ist. Und dazu noch ungefärbt ist! Eine gute Gelegenheit also, ein besonderes Getränk hier zu erwähnen.

Der Bunnahabhain besticht im Glas zuerst einmal durch seinen schönen, klaren, hellgelben Farbton. Aus dem Glas steigen mannigfaltige Aromen auf: So meint man, das Eichenfaß selbst noch riechen zu können; aber vor allem dominiert die kräftige Torfnote des Whisky. Er liegt schwer und Aromaintensiv auf der Zunge, daß das Schlucken und der Nachgeschmack eine reine Freude werden. Die Torfnote klingt im Abgang sehr schön aus und entfaltet sich in mehrere Geschmacksnuancen. Vor allem eine leicht salzige -- bei weitem schwächer als beim zehnjährigen Laphroaig -- lässt sich genüsslich erschmecken. Als «weich» kann man einen zehn Jahre alten Islay-Whisky auf jeden Fall nicht bezeichnen. Doch die raue Schwere, die mit einer machtvollen Geschmacksentfaltung den Gaumen erfreut, lässt mit ihrer ausgewogenen Aromavielfalt kein Zweifel an der hohen Qualität dieses Whiskys. Man genießt den Bunnahabhain am besten mit einem Tropfen Wasser im Glas, damit die Geschmacksnoten besser zur Geltung kommen.

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