Über die "Un-Chillfiltered Collection" von Whiskys von Signatory, einem der größten, schottischen, unabhängigen Whisky-Abfüller (über diese drei Adjektive sind sie natürlich besonders stolz!) bin ich zum ersten Mal in Schottland selbst, genauer vor Ort in der Edradour Distillery -- die übrigens Signatory gehört -- gestolpert. Alle Produkte dieser Reihe sind nicht kältegefiltert, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Whiskys, die man mit «normalem» Etikett im Handel erstehen kann. A props Etikett: Signatory informiert auf der Flasche den Käufer stolz über die genaue Herkunft des Getränks. Mein Whisky wurde beispielsweise am 1.12.1997 destilliert, am 19.08.2009 abgefüllt, ist in einem Weinfass gereift und präsentiert sich mir in Flasche Nummer 292 von insgesamt 1127.
Bei der Kältefilterung von Whisky handelt es sich um eine Unart, die vor allem Amerikanern, die ja jedes Getränk durch die Zugabe von Eiswürfeln versch... bessern müssen, erlaubt, ihren Whisky zu genießen, ohne, daß dieser trüb wird. Durch Verdünnung von Whisky auf eine Trinkstärke von 40% bis 43% trübt sich die Flüssigkeit ein. Das verschlechtert keineswegs den Geschmack, ist aber unschön anzusehen. Während durch die Kältefilterung einige Schwebestoffe ausgesondert werden, geht auch einiges des Geschmacks verloren. Bisweilen so viel, daß man Schwierigkeiten bekommt, einzelne Sorten voneinander zu unterscheiden.
Eine sehr gute Art, den Geschmack eines Whiskys zu erfassen, besteht also definitiv darin, ihn unfiltriert zu erstehen. Und da tut sich Signatory hervor; so ziemliche jede Destille ist zumindest mit einer Sorte vertreten. Bei meinem letzten Besuch in Schottland (ja, weitere Einträge dazu folgen!) hatte ich das Glück, einen Bunnahabhain zu erstehen, der immerhin schon elf Jahre im Faß gereift ist. Und dazu noch ungefärbt ist! Eine gute Gelegenheit also, ein besonderes Getränk hier zu erwähnen.
Der Bunnahabhain besticht im Glas zuerst einmal durch seinen schönen, klaren, hellgelben Farbton. Aus dem Glas steigen mannigfaltige Aromen auf: So meint man, das Eichenfaß selbst noch riechen zu können; aber vor allem dominiert die kräftige Torfnote des Whisky. Er liegt schwer und Aromaintensiv auf der Zunge, daß das Schlucken und der Nachgeschmack eine reine Freude werden. Die Torfnote klingt im Abgang sehr schön aus und entfaltet sich in mehrere Geschmacksnuancen. Vor allem eine leicht salzige -- bei weitem schwächer als beim zehnjährigen Laphroaig -- lässt sich genüsslich erschmecken. Als «weich» kann man einen zehn Jahre alten Islay-Whisky auf jeden Fall nicht bezeichnen. Doch die raue Schwere, die mit einer machtvollen Geschmacksentfaltung den Gaumen erfreut, lässt mit ihrer ausgewogenen Aromavielfalt kein Zweifel an der hohen Qualität dieses Whiskys. Man genießt den Bunnahabhain am besten mit einem Tropfen Wasser im Glas, damit die Geschmacksnoten besser zur Geltung kommen.

Jetzt kommentieren