April 2010 Archive

Wie ich im Eintrag über das „Royal McGregor" schon erwähnte, trafen wir auf dieser Reise erstmals auf den heißen Edward. Ein köstlicher und herzerwärmender Begleiter, der uns nie im Stich ließ, wenn wir in einen der diversen Pubs in Scotts „own romantic town" einkehrten.
Im Gegensatz zu den Angestellten der Pubs - die hatten nämlich, jeder auf seine Weise, ihre Einkaufsliste nur nachlässig gepflegt. So war zwar in jedem Pub das „Hot" vertreten, doch einmal trafen wir auf „Teddy", dann gab es „Tddy" und „Todd" war natürlich auch vertreten.

Aber von vorn.


Unsere erste Begegnung mit Toddy hatten wir im „Royal McGregors", wo wir uns am wirklichen, am echten „Hot Toddy" erfreuen durften. Er gewann uns durch die warme, aber nicht zu heiße Temperatur, seine whiskygoldene Farbe, milde Honigsüße und eine erfrischende Zitronenscheibe, die von fünf Gewürznelken geziert im Glas schwamm. Fünf Nelken - genau richtig. Die Zahl gibt Toddy genau die richtige Würze, weder sind sie zu aufdringlich noch zu zurückhaltend.

Begeistert von dieser Begegnung, hielten wir in allen weiteren Pubs Ausschau nach unserem new best friend.
So auch im „Jolly Judge", wo wir ihn unverändert antrafen. Was tat es gut, sich nach dem schneidend kalten Wind und Regenschauern auf der Royal Mile in den Keller des Richters zu setzen und die Zeit mit Toddy zu genießen!

Doch - my goodness! - unser nächstes Zusammentreffen erschreckte uns sehr. Der arme Toddy, obwohl nur ein paar hundert Yards und einen Tag von unserem letzten Zusammentreffen entfernt, wurde in der „Tolbooth Tavern" des Honigs und ein anderes Mal sogar zusätzlich der Nelken beraubt. So blieb nur noch „Tddy" übrig. Beim ersten Besuch wollten sie uns anstelle unseres honigmilden „Toddys" einen zuckersüßen „Teddy" andrehen. Nun ja, unser alter Freund wäre uns lieber gewesen, da half auch der besänftigende Schuß Whisky extra nicht. Doch was blieb uns übrig...

In der georgianischen „New Town" begegneten wir Edward auch zwei Mal. Aber wir bemerkten gleich, daß Toddy in einer Brauerei einfach nicht heimisch ist. Dort trafen wir ihn wieder zuckersüß an und zwei Nelken hatte er unterwegs auch verloren. Die Zitrone - well, die kam hier aus der Flasche...

Ein letztes Zusammentreffen mit good old Toddy gab es im „Bad Ass", wo wir nach der Wanderung von unserem Vorstadt-B&B in die Innenstadt Wärme suchend einkehrten. Um die Mittagszeit nahm man dort unser Gesuch mit folgenden Worten auf: „Oh my goodness, you really must be cold, are'nt you?!" Auch hier trafen wir nur „Teddy" an, der honey sei gerade ausgegangen, der käme erst am Nachmittag wieder rein. Immerhin...


Zurück in der Heimat überfiel uns rasch die Sehnsucht nach dem lieb gewonnenen Gefährten, so daß wir uns auf die Suche nach „T", nach „o" , nach „d" und „d" und zu guter Letzt auch dem „y" begaben. Schon bald blickten wir auf ein erfolgreiches Wiedersehen und genossen noch so manchen Abend mit unserem lieben, guten, echten Hot Toddy.

The Royal McGregor

| Keine Kommentare | Keine TrackBacks

Schon bei unserem ersten Besuch in „Auld Reekie" suchten wir, ganz erschlagen von den Eindrücken der Stadt, einen Ort zum Einkehren, Stärken, Kräfte-Tanken. So hielten wir auf der Royal Mile Ausschau nach einem gemütlichen Pub und liefen fast an der

RoyalMcGregor.JPG

unscheinbaren braunen Fassade des „Royal McGregor" vorbei, entdeckten aber im letzten Moment noch den außen angebrachten Glaskasten mit kleiner Übersichtskarte darin. Preislich damals wie auch bei der diesjährigen Reise für britische Verhältnisse nur leicht überteuert entschieden wir uns für einen Zwischenstopp.
2007 wurden wir noch an der Tür empfangen, ein Tisch wurde zugewiesen und überraschenderweise auch direkt an diesem bedient. -- Seltsam, sind wir nicht im Pub? Gut, in diesem Jahr waren wir schon darauf vorbereitet, aber das Personal scheint etwas verwirrt über den Umgang mit kontinental-europäischen Gästen. Zum Teil wurden wir wie oben beschrieben bedient, bei anderen Mitarbeitern orderten wir am Tresen, wie es auf den Inseln doch üblich ist. Beides in Ordnung, man muß nur darauf achten, was gerade aktuell ist ;-)

Das Ambiente im „The Royal McGregor" ist in warmen Beige- und Brauntönen gehalten, wie auch schon die Außenfassade. Der große Tresen lässt es gemütlich wirken, typisch Pub hängt ein - stumm geschalteter - Fernseher über diesem, so daß der interessierte Gast optisch den aktuellen Sportereignissen folgen kann. Im Eingangsbereich befinden sich mehrere schlichte Tische für vier Personen, aber auch drei kleine, bequeme

royalmcgregor-ins.jpg

Sitzgruppen mit Sessel bzw. Lederbank. Am hinteren Ende des Tresens geht es nun ein paar Stufen auf eine Empore, die, durch ein hölzernes Geländer abgetrennt, nochmal etwas vom Hauptraum und dem meist recht überschaubaren Betrieb abschirmt. Dort hat man die Möglichkeit, sich auf der gleichen roten Lederbank niederzulassen, wie man sie auch im Eingangsbereich schon gesehen hat, die aber hier die gesamte Rückwand über vier Tische hinweg einnimmt. Und von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über das gesamte Geschehen im Pub.


Im „Royal McGregor" kann man neben typischem „pub food", wie fish and chips, burger, garlic bread (...) auch Speisen wie Schweinemedaillons, Steaks, Lachs und auch klassisch schottische Gerichte finden. So zum Beispiel „Haggis, Neeps and Tatties" und „Steak & Ale Pie". Auf der Homepage des Pubs findet der geneigte Leser eine Übersicht über das gesamte Angebot.

Was uns den Pub so sehr im Gedächtnis behalten ließ, waren die Burger, die hier serviert werden. Gut, Burger mögen sich nicht besonders anhören, doch worüber wir hier stolperten, waren
„Blue Cheese Burger". Für burgererfahrene Konsumenten mag das vielleicht nichts Spezielles sein, für mich war es das erste Mal, daß ich auf diese Variante stieß. Und noch dazu auf eine sehr leckere Variante. Der Blauschimmelkäse, der hier verwendet wird, ergänzt den saftig-vollen Geschmack mit einer ganz eigenen würzig-salzigen Note, die sich uns sehr eingeprägt hat. So mussten wir dem Royal McGregor natürlich unbedingt wieder einen Besuch abstatten.

royalmcgregor-in.jpg

Dieses Mal war der Urlaub später im Jahr, Ende September, ziemlich stürmisch, nass-kalt und einfach ein Hundewetter, um den ganzen Tag draußen zu sein. So gingen wir eilig in den Pub, genossen die warme Atmosphäre und die warmen Temperaturen. Durchgefroren wie wir waren, studierten wir die Karte auf der Suche nach etwas Wärmendem. Da ich keinerlei kaffeehaltige Getränke mag, fiel schon vieles weg. Dann stand bei den Tees noch etwas von „Hot Toddy", einem Heißgetränk mit „Whisky, Honey, Lemon and Cloves". Also: bestellen? Nicht bestellen? Nun gut, wir probieren es einfach - und das war eine der besten Ideen in diesem Urlaub, denn der Hot Toddy wurde uns ein treuer Begleiter durch die sechs Tage in Edinburgh. Doch dazu später mehr, denn Toddy ist uns ein so guter Freund geworden, daß wir ihm einen eigenen Eintrag widmen werden...

Was ich auch noch erwähnen möchte, ist Crannachan, ein traditionelles Dessert aus Schottland, natürlich mit Whisky. Weitere Zutaten sind Waldbeeren und Schlagsahne, wobei diese glücklicherweise überwiegen. Das Ganze ergibt dann eine Art gut gekühlte „Sahnecrème" mit Beeren, die dezent nach Whisky schmeckt. Nachdem wir sie einmal abends probierten, gab sie mir den Grund zu einem Abschiedsbesuch vor der Rückreise , da ich sie gerne noch ein zweites Mal essen wollte. Und natürlich einen letzten Hot Toddy trinken wollte. Für dieses Mal.



Edinburgh ist einzigartig. Dieses Attribut teilt sich die Stadt natürlich auch mit anderen Orten, jedoch nicht in dieser Form. Der beste Weg, sich schnell deutlich zu machen, wo man ist, besteht in der Anreise mit dem Zug: Man tritt aus der Waverly Station -- der Bahnhof ist unterirdisch angelegt --, kommt ans Tageslicht und wird sofort von Dudelsackmusik empfangen: Willkommen in Schottland; willkommen in Edinburgh.

Zuerst führt der Weg natürlich in die eigene Unterkunft. Mag deren Fassade noch so unscheinbar sein -- auf ein schmuckes Schild verzichet natürlich niemand freiwillig --, so ist das Eintreten gleichermaßen eine Zeitreise: Vieles, von Teppich, Tapete, Decke und Treppengeländer bis zu Stuhl, Schreibtisch und, nicht zu vergessen, dem Bett warten mit einem Stil auf, den man sofort mit der Viktorianischen Epoche assoziiert. War die Musik noch der Anfang, so machen diese Eindrücke die Atmosphäre komplett. Man möchte direkt einen der reich verzierten Stühle an den Schreibtisch ziehen, den Blick aus dem Fenster schweifen lassen, Papier auspacken und zu schreiben beginnen... -- Doch halt!, es ist gar kein Papier vorhanden, und der passende Füllfederhalter fehlt auch. Aber wußten Sie, daß es in Edinburgh und Schottland im Allgemeinen ein Gesetz gibt, das vorschreibt, die traditionellen Fenster zu erhalten, zumindest dann, wenn man sie von außen sehen kann?

small-DSC_0221.JPGNach der kurzen Ruhephase will natürlich die Stadt gesehen werden. Die Lothian-Busse bringen einen schnell von A nach B, und dank der hohen Dichte an Bussen muß man in Edinburgh auch niemals lange auf den nächsten warten. In den Hauptverkehrsadern fahren dann auch tagsüber vier Busse hintereinander: Natürlich nicht für dieselbe Linie, aber nichtsdestotrotz herrscht viel Verkehr in der Stadt. Kein Wunder, daß auch hier die Straßenbahn ihre Renaissance erlebt.

Auf dem Weg durch die beiden alten Stadtteile -- Old und New Town -- zeigt Edinburgh genügend alte Fassade, um erahnen zu lassen, wie viele Generationen hier schon gelebt haben. Denn wenn es Auld Reekie an einem nicht mangelt, dann an Geschichte. Das beginnt ganz offensichtlich bei Edinburgh Castle, wo die Audio-Tour unbedingt anzuraten ist, aber weitaus intensiver ist das Erlebnis in einem der für die Öffentlichkeit zugänglichen, restaurierten Häusern. Sei es in einem der Lands aus dem 15., 16. Jahrhundert direkt an der Royal Mile oder aber eines der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Häusern der Vornehmen im New Town: Statt einer lieblosen Tour darf man das sorgfältig mit Möbeln der Zeit hergerichtete Gebäude nach Herzenlust selbst besichtigen und sich sicher sein, daß eine der in jedem Zimmer vorhandenen Ansprechpersonen über genügend fundiertes Fachwissen verfügt, um einen verregneten Tag wie im Fluge vergehen zu lassen.

small-DSC_0346.JPGUnd wo beschließt sich ein Tag nicht besser als im Pub? Lokales Bier und, besser noch, Schottischer Whisky verwöhnen den Gaumen, während man ganz nebenbei noch erfährt, daß auch des Abends nach Einbruch der Dunkelheit Touren durch die Stadt führen, und die besten davon erzählen nicht vom Spuk wie dem «South Bridge Poltergeist», sondern von Edinburghs Helden: Robert Burns, Sir Walter Scott, Robert Louis Stevenson oder gar Sir Arthur Conan Doyle. Kein Wunder, daß sie alle Schottlands Capitale so inspirierend fanden. Wenn das Wetter richtig steht und der Wind die Dämpfe der lokalen Brauerei in dichten Schwaden durch die Stadt treibt, dann kann man erahnen, warum die Stadt den Beinamen «Alte Verräucherte» -- Auld Reekie hat. Und egal wie oft man meint, eine Straße schon entlang gegangen zu sein, ein paar Tage später, wenn das Licht richtig steht, findet man ein unentdecktes Wynd (eine Close, also eine enge Gasse zwischen den hohen Häusern) -- und an deren Ende vielleicht einen Pub oder gar ein weiteres Museum.

small-DSC_0032.JPGWer jetzt von der Fülle an Sinneseindrücken Ruhe braucht, sucht sich am besten einen der verwinkelten Wege, die durch die Stadt führen, unberührt vom Verkehr an einem Bach entlang. Oder er begibt sich auf den Arthurs Seat, packt dort den wahrscheinlich längst erstandenen Federhalter und Papier aus und beginnt, vielleicht zum ersten Mal, mit einem Reisetagebuch. In Edinburgh kein Wunder: It's Scotland's inpiring capital!

Über dieses Archiv

Diese Seite enthält alle Einträge von Hanyutzi von neu nach alt.

Oktober 2009 ist das vorherige Archiv.

Aktuelle Einträge finden Sie auf der Startseite, alle Einträge in den Archiven.